Bewertung des bayerischen Waldberichtes 2015

Dem Wald gehen das Wasser und die Förster aus

Das Trockenjahr 2015 hat deutliche Spuren in unseren Wäldern hinterlassen. Dies geht aus dem Waldbericht 2015 hervor, der am 27.01.2016 im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Bayerischen Landtag vorgestellt wurde. Wie nach dem Trockensommer 2003 wird das Ausmaß des Trockenstresses, den die Waldbäume erlitten haben, erst im Folgejahr, also 2016, bei der Kronenzustandserhebung im vollen Umfang sichtbar werden, da zum Zeitpunkt des vorzeitigen Blattabfalls die Erhebungen in diesem Jahr bereits abgeschlossen waren. 2015 war nun der zweite sogenannte Jahrhundertsommer in Bayern innerhalb von 13 Jahren.

Das gibt uns eine Vorstellung davon, was wir bei zunehmendem Klimawandel zu erwarten haben. Den Bäumen, insbesondere der Fichte, geht das Wasser aus. Dies stellt die bayerischen Waldbesitzer und die bayerische Forstwirtschaft vor gigantische Herausforderungen.

Von den bei Hitze und Trockenheit besonders gefährdeten 260 000 Hektar Fichten-Wälder wurden bis 2014 gerade mal 42 000 Hektar umgebaut. Bei gleichbleibendem Tempo wird nicht nur das Zwischenziel für 2020 verfehlt, insgesamt würden wir noch mindestens 36 Jahre brauchen, bis wir alle Flächen abgearbeitet haben. „Die Mammut-Aufgabe Waldumbau wird eine ganze Förstergeneration weiter beschäftigen und ist damit eine staatliche Daueraufgabe“ rechnet der Grüne Forstexperte Ganserer vor.

Vielerorten muss inzwischen der Waldumbau jedoch mit befristeten Projektstellen bewerkstelligt werden, da im Zuge der Forstreform massiv Personal eingespart wurde. Für Ganserer ein Musterbeispiel für die verfehlte Personalpolitik der CSU–Regierung, die den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht wird.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch bei der Schutzwaldsanierung ab. Auch 30 Jahre nach dem Bergwaldbeschluss hat trotz aller Bemühungen die Schutzwaldsanierungsfläche von 8887 ha im Jahr 1986 auf inzwischen 14000 ha zugenommen. Doch auch in der Bergwaldoffensive wird mit befristeten Projektstellen gearbeitet. Hinzu kommt, dass nach wie vor auf über einem Drittel der Sanierungsflächen die Sanierungsziele als nur stark eingeschränkt erreichbar beurteilt werden. Dies ist nicht nur ärgerlich, sondern vielmehr gefährlich. Denn unsere Alpen brauchen den Schutzwald. Er sichert menschliche Siedlungen, verhindert Muren- und Lawinenbildung und hält die karge Erde am Berg. Und wenn der Wald seine Schutzfunktionen nicht mehr leisten kann, dann kommt der Berg. Falls dies eintritt, müsste der Staat letzten Endes sündhaft teure technische Lawinenverbauungen erstellen, um z.B. Straßen, Siedlungen und Menschen zu schützen.

 

Naturschutzziele krachend verfehlt

Aber auch bei anderen Themenfeldern im Wald darf die CSU-Regierung nachsitzen. Denn leider zeichnen die Naturschutzbemühungen in Bayerns Wäldern auch eher ein trübes Bild. So wurde aktuell bei 33 % der FFH- und Vogelschutzgebiete noch nicht einmal mit der Erarbeitung eines Managementplanes begonnen. Damit verfehlt die CSU-Regierung ihr selbst gestecktes Ziel, bis 2015 ein gut funktionierendes Managementsystem für alle Natura 2000-Schutzgebiete zu etablieren. Der Waldbericht dokumentiert ein weiteres Mal die völlig unzureichenden Naturschutzmaßnahmen im Wald. Die Mehrheit der europarechtlich besonders geschützten FFH-Waldarten in Bayern (55 %) befindet sich einem ungünstigen bis schlechten Erhaltungszustand. Offensichtlich hat die CSU-Regierung nach Ablauf des Aktionsjahres Waldnaturschutz  2015 für dieses Thema nicht mehr viel übrig. So hat eine Anfrage zum Plenum ergeben, dass derzeit noch nicht absehbar ist, ob und in welchem Umfang das Finanzministerium für das Jahr 2016 Mittel für integrative Waldbewirtschaftungsmaßnahmen freigeben wird. Sicher gesagt werden kann aber schon jetzt, dass sowohl der Forstminister als auch der Finanzminister für die besonders bodenschonende Holzbringung mit Rückepferden sicher nichts übrig haben. Kritisch sieht Ganserer auch die Selbstbeweihräucherung der CSU-Regierung im Hinblick auf die angeblich hohen Totholzwerte, die Bayern nach der aktuellen Bundeswaldinventur bescheinigt werden. So wurde auch dank eines veränderten Aufnahmeverfahrens zwar mehr Totholz in Bayerns Wäldern gezählt, jedoch ist dies noch lange kein Grund für die Annahme, damit erhöhe sich zwangsläufig die Artenvielfalt. Die meisten der bedrohten Waldarten aus dem Vogel-, Insekten- oder Pilzreich benötigen zwar viel Totholz, dies sollte aber am besten dickes Laubtotholz sein. Und das ist, wie Markus Ganserer durch eine Anfrage an die Staatsregierung herausfand, noch immer Mangelware in Bayerns Wäldern. Hier bedarf es noch einiger stimmiger Konzepte und Anstrengungen, um der Artenvielfalt in Bayerns Wäldern auf die Sprünge zu helfen.

Sorge bereiten dem Grünen Forstexperten auch die Stickstoffeinträge in die bayerischen Wälder. Diese sind nach Waldbericht trotz Bemühungen zur Emissionsreduktion nahezu unverändert hoch. Hauptverursacher ist hier in erster Linie die Landwirtschaft, welche für 63 % der Emissionen verantwortlich ist. Um langfristig schädliche Einflüsse auf die betroffenen Waldökosysteme zu vermeiden, müssen laut Waldbericht an zwei Dritteln der Stationen die Stickstoffeinträge um 10 bis 60 % sinken. Zu hohe Stickstoffeinträge führen zu einer weiter anhaltenden Versauerung der Waldböden und können Mangelerscheinungen bei anderen Nährstoffen verursachen. „Die Untätigkeit des Waldministers bei der Reduktion der Stickstoffeinträge stößt dem Wald mittlerweile ganz schön sauer auf“ so Ganserer in Bezug auf die Stickstoffproblematik.

Zu guter Letzt fordert Markus Ganserer die CSU-Regierung auf, ihre Lehren aus dem aktuellen Forstlichen Gutachten zu ziehen und endlich die Jagd den Bedürfnissen der über 700.000 Waldbesitzer in Bayern anzupassen. Denn auch im Bereich Jagd gibt es noch viel zu tun. Sorgen bereiten hier vor allem die Verjüngungssituation der Eiche, in vielen Bereichen auch die der Tanne und in einigen Bereichen der Edellaubbäume wie Ahorn. Denn diese Baumarten werden vom Schalenwild bevorzugt verbissen, sind aber als Mischbaumarten wichtig für die Stabilität und die Artenvielfalt in unseren Wäldern. Im Bergwald hat sich die Verjüngungssituation insgesamt zwar im Vergleich zu 2012 verbessert, es gibt jedoch starke regionale Unterschiede. So gibt es im Bergwald immer noch viele Gebiete, in denen der Verbiss durch Schalenwild die Verjüngung der wichtigen Mischbaumarten verhindert, wodurch ein Verlust der Schutzfunktionen des Bergwaldes droht.

Markus Ganserer wird hier in Kürze einige zielgerichtete Verbesserungsvorschläge im Landtag vorstellen, damit der nächste Waldbericht erfreulicher ausfällt.

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